Was ein Talent Sourcer alles für seine Arbeit braucht

Active Sourcing ist nicht nur XING und LinkedIn! In diesem Blogpost zeige ich Dir, welches Wissen Du Dir als Talent Sourcer aneignen solltest. Die Liste ist nicht abschließend. Anregungen und weitere Tipps nehme ich gern entgegen.

Das brauchst Du als Talent Sourcer mit ❤️

1.Beherrsche "Boolean" als eine weitere Fremdsprache ;-)

Du musst wissen, wie Du Suchstrings korrekt aufbaust. Operatoren und Modifikatoren sind Fremdwörter? Dann wird es Zeit diese zu verinnerlichen.  Unter den Operatoren gibt es übrigens auch kleine aber feine Unterschiede beim Einsatz in den beruflichen Vernetzungsplattformen oder Suchmaschinen.  Und: Noch nie von Keywords oder Synonymen gehört? Dann ist dringender Handlungsbedarf erforderlich.

2. LinkedIn und XING verstehen und souverän anwenden

Ohne das Wissen, was überhaupt boolesche Operatoren sind, brauchst Du gar nicht mit dem zweiten Punkt anzufangen. Viele glauben, dass ein Grundkurs in LinkedIn ausreicht und irgendwelche Parameter in LinkedIn Recruiter eingegeben werden können, um hier die besten Talente finden zu können.


Aber ganz so trivial ist es nicht. Du solltest schon wissen, wie der Aufbau eines LinkedIn Profils funktioniert. Denn nur so kannst Du beispielsweise gezielt nach Keywords im Kandidatenprofil suchen. Wenn ein Kandidat beispielsweise in seiner Überschrift "Android Entwickler" stehen hat, dann musst Du wissen, wo und in welchem Feld Du in LinkedIn Recruiter exakt danach suchen kannst. Auch kleinere Tricks, wie gezielt nach Rechtschreibfehlern zu suchen, kann helfen, die besten Kandidaten zu finden. Denn Du wirst überrascht sein, welchen Unterschied es ausmachen kann, wenn man statt "Python", "Pyton" oder "Phyton" schreibt.

3. Werkzeuge und (Chrome) Extensions

Extensions sind sogenannte Browser-Erweiterungen. Das sind kleine Helfer, die Dich im Rahmen Deiner Arbeit als Active Sourcer unterstützen können. Beispielsweise gibt es Text-Marker, damit kannst Du gewisse Passagen farblich hervorheben. Das kann ziemlich praktisch sein, wenn Du längere Textpassagen durchscrollen musst und keine Lust hast Dir alles durchzulesen. So werden nämlich bestimmte Keywörter (z.B. Java, AWS, Javasript, PHP etc.) hervorgehoben. Die Extensions findest Du im Chrome Store oder auch im Microsoft Edge Chromium Store. 

4. Google Sourcing

Die absolute Basic eines jeden Talent Sourcers! Viele denken, dass das Active Sourcing sich lediglich auf die Anwendung bzw. Nutzung von XING und LinkedIn beschränkt. Das ist jedoch nicht richtig! Active Sourcing mit Google  - das kann nicht jeder! Meine Behauptung ist, wenn Du die X-Ray Suche im Schlaf beherrscht und auch Kenntnis hast, wie eine Google Suche aufgebaut ist, dann kannst Du schon (fast) alles.


Denn mittels der Suchmaschine Google kannst Du wunderbar Profile finden, die Du sonst auf LinkedIn oder XING nie sehen würdest. Es ist auch wichtig, mit Google Neuerungen bzw. Updates auf dem Laufenden zu bleiben!


Ich nenne Dir da mal ein Beispiel: Mittels des inurl Operators konntest Du gezielt nach Parametern in der URL suchen. Das funktioniert(e) folgendermaßen:


Bild zeigt x-Ray Suche mit inurl Operator in Google

Ich erspare mir an dieser Stelle die ausführliche Funktionsweise der X-Ray Suche. Worauf ich eingehen möchte ist Folgendes:


Der inurl Operator funktioniert leider nur noch eingeschränkt bis gar nicht mehr (Stand Juni 2026). Hoffen wir, dass der mächtige inurl Operator bald wieder funktionieren wird und uns auch korrekte Ergebnisse anzeigen wird.


In meinem Beispiel habe ich die URL meines LinkedIn Profils mit "sourcinguwe" gepflegt, leider wird das nicht mehr  in den Suchergebnissen (korrekt) angezeigt.

5.Tech Sourcing

Wenn man als Active-Sourcer Tech Profile finden möchte, solltest Du auch grundlegend verstehen, was sich hinter den Programmiersprachen verbirgt.


Ein klassischer (Recruiter)Fail ist, wenn nach einem Java Entwickler gesucht wird, aber ein Javascript Frontend Entwickler angeschrieben wird. Verstehe auch die Profile und beschäftige Dich mit dem Menschen dahinter!

Es lohnt sich auch im übrigen nach "neueren" Plattformen bzw. Foren Ausschau zu halten. 

6.Abseits der Sourcing Pfade

"Suchst Du nur Profile auf LinkedIn, dann wirst Du auch nur Profile auf LinkedIn finden", so die Aussage einer bekannten Sourcerin auf einer Veranstaltung. Da ist etwas Wahres dran, oder?


Denn Kandidaten sind nicht nur in beruflichen Vernetzungsplattformen unterwegs. Sie nutzen andere Quellen. Beispielsweise Foren, Plattformen, Repositories, Eventseiten und vieles mehr!


Beschäftige Dich auch mit neueren Communities und bleib am Ball! So haben, seit der Einführung von ChatGPT, die monatlichen Nutzerinteraktionen in Stack Overflow stark nachgelassen. Wiederum entstehen neuere Communities, wie beispielsweise Kaggle, die u.a. für Data Scientisten sehr interessant sind.

7.KPIs und weitere Metriken

Du solltest auch die gängigsten Metriken bzw. KPIs kennen und auch nutzen! "Time to hire" o.ä. sollten dabei keine Buzzwords sein, um Deinen Hiring Manager zu beeindrucken, sondern um aussagekräftige Angabem machen zu könenn. Denn hinterher möchtest Du ja wissen, wie lange so ein Sourcing Prozess gedauert hat oder welche Plattformen für bestimmte Zielgruppen zu einem größeren Erfolg geführt haben und welche eher weniger.

Dabei können Tools wie PowerBI helfen, Dir erste Visualisierungen zu generieren.

8.Eigene Learnings vertiefen und dokumentieren

Was hat bisher gut geklappt? Was hat bisher wenig bzw. gar nicht funktioniert? Schreibe Dir Deine Learnings auf und dokumentiere diese. Wenn Du übergreifend arbeitest, pack Deine Learnings in einem Wissensspace. Einige Firmen haben beispielsweise Confluence oder Sharepoint. Es ist auch ratsam bereits verwendete Suchstrings nicht lokal (d.h. auf Deinem Rechner abzulegen), sondern an einem übereifenden Ort, wo auch andere Teilnehmer (d.h. Recruiter, Active Sourcer o.ä.) Zugriff darauf haben können.

9.Stellenaufnahme festhalten

Mitunter habe ich es auch schon mal erlebt, dass Active Sourcer gar keine Stellenaufnahme vom Profil machen. Das bedeutet sie nutzen für Ihre Suche lediglich die Stellenauschreibung! Das ist fatal. Es bietet sich immer an im Vorfeld eine Stellenaufnahme mit dem Fachbereich bzw. dem besagten Hiring Manager durchzuführen. Ohne geht es nicht.


Hierbei kannst Du ein standardisiertes Dokument erstellen. Das kann auch in einem Confluence Space oder in einer anderen Wissensdatenbank hinterlegt werden. Für den Anfang kannst Du Dir auch eine Stellenaufnahme, d.h. für erste Ideen, ChatGP o.ä. verwenden.


Erste Fragestellungen zur Vakanz könnten beispielsweise lauten (nicht abschließend!):



  • welche ähnlichen Tools (z.B. bei Programmiersprachen) könnten relevant sein?
  • gibt es konkrete Zertifikate z.B. AWS, TOGAF, ISTBQ? (man kann direkt nach den Badges suchen!!!)
  • welche Foren, Messen, Events o.ä. ist die besagte Zielgruppe unterwegs?
  • handelt es sich um ein neues Projekt oder um ein bestehendes Projekt?
  • welche Weiterentwicklungsmöglichkeiten haben wir?


Wenn Du im Vorfeld eine gründliche Stellenaufnahme dokumentiert und parat hast, dann bist Du gut für das erste telefonische (Vorab-)Interview vorbereitet.

Fazit Talent Sourcing

Manche denken, dass das Jobprofil eines Talent Sourcers wohl nur mit XING und LinkedIn genüge getan ist. Das ist es nicht! Dazu gehört viel mehr und es ist kein einmaliger Prozess, welcher sich durch stures Auswendiglernen von booleschen Operatoren verinnerlichen lässt, sondern ein praktischer und fortlaufender Lernprozess.