Senior Talent Specialist - ein Expertenbeitrag
Ich freue mich in der neuesten Blogpost Ausgabe meinen alten Wolfsburger Weggefährten sprechen zu lassen. Diesmal habe ich Adam Wiesner von der Ingram Micro eingeladen über seine Erfahrungen und Kenntnisse im Active Sourcing zu sprechen. Feuer frei für Adam!
Vorstellung und Intro

Hallo, ich bin Adam und lebe in Calberlah. Ich bin verheiratet und Vater einer Tochter. Seit 2022 arbeite ich als Senior Talent Sourcing Specialist bei Ingram Micro in Aschheim und bringe insgesamt über neun Jahre Erfahrung im Recruiting mit.
Meine Leidenschaft ist es, Menschen und passende berufliche Möglichkeiten individuell zusammenzubringen. Besonders schätze ich es, die Entwicklung von Kandidatinnen und Kandidaten über die Jahre zu sehen– sei es auf dem Weg in Führungspositionen oder hin zu fachlichen Spezialisten.
Durch meine internationale Rolle arbeite ich eng mit internen Stakeholdern sowie externen Kandidatinnen und Kandidaten aus verschiedenen Ländern zusammen und fördere die Zusammenarbeit über kulturelle Grenzen hinweg.
Zum Ausgleich verbringe ich meine Freizeit gerne mit meiner Familie in der Natur. Ich bin begeisterter Wanderer und spiele außerdem leidenschaftlich gern Fußball.
Was war im Active Sourcing Dein härtester Suchauftrag?
Category Manager Datacenter/Aruba.
Für diese Position habe ich fast ein Jahr lang gesucht. Gemeinsam mit dem Hiring Manager und dem Talent-Acquisition-Team haben wir die Anforderungen insgesamt dreimal angepasst, unsere Sourcing-Strategie immer wieder neu ausgerichtet und zusätzlich auf Empfehlungen aus dem Netzwerk gesetzt. Am Ende war es dann ein Lucky Punch, durch den ich die Stelle erfolgreich besetzen konnten.
Meine wichtigste Erkenntnis aus diesem Prozess: Niemals aufgeben und bereit sein, neue Wege zu gehen. Das war noch vor ChatGPT und AI Support :-)
Wie überzeugst Du jemanden, der eigentlich gar nicht wechseln will?
Das hängt stark von den individuellen Bedürfnissen und Zielen der jeweiligen Person ab. Entscheidend ist, aufmerksam zuzuhören und zwischen den Zeilen zu erkennen, was den Menschen wirklich bewegt. Häufig lassen sich dabei Themen wie Benefits, Entwicklungsmöglichkeiten oder persönliche Prioritäten herausfiltern, an die man gezielt anknüpfen kann.
Gleichzeitig ist es wichtig, bereits nach dem ersten Gespräch einschätzen zu können, ob der Kandidat tatsächlich zum Unternehmen passt – sowohl fachlich als auch kulturell. Der Cultural Fit spielt eine zentrale Rolle für eine nachhaltige Entscheidung.
Am wichtigsten ist jedoch eine offene und ehrliche Kommunikation. Gerade Kandidatinnen und Kandidaten, die ursprünglich gar nicht wechseln wollten, sind besonders sensibel für Unsicherheiten oder Unstimmigkeiten. Sobald hier Zweifel entstehen, ist das Vertrauen schnell verloren. Authentizität und Klarheit sind daher entscheidend, um langfristig zu überzeugen.
Welche Plattform wird Deiner Meinung nach völlig unterschätzt und warum?
Vielleicht Xing. Zuletzt wanderten viele Kandidaten zu LinkedIn. Ich selber nutze Xing aktuell sehr wenig, jedoch höre ich aus meinem Netzwerk, dass scheinbar das Sourcing für Bauingenieure, Projektleiter sowie im öffentlichen Dienst (Behörden, Bildungsträger) noch solide funktioniert. Außendienst und Key Account Rollen sollen auch noch gut über Xing besetzbar sein.
Nutzt Du AI - und wenn ja, in welchem Kontext?
Ja, ich nutze KI sowohl im beruflichen als auch im privaten Kontext.
Beruflich setze ich KI insbesondere im Sourcing ein, um komplexe Kandidatenprofile mit anspruchsvollen Positionen abzugleichen, Unterstützung bei der Erstellung und Optimierung boolescher Suchstrings zu erhalten sowie mich effizient in neue Themenfelder, Technologien oder Hersteller einzuarbeiten. Dabei vergleiche ich häufig unterschiedliche KI-Modelle, um verschiedene Perspektiven und Ergebnisse gegenüberzustellen und ein möglichst fundiertes Bild zu erhalten.
Privat nutze ich KI vor allem, um wirtschaftliche und politische Zusammenhänge besser zu verstehen und tiefer in bestimmte Themen einzutauchen. Darüber hinaus dient sie uns auch im Familienalltag als hilfreicher Ratgeber, beispielsweise bei Fragen rund um Schlafphasen, Ernährung oder allgemeine Entwicklungsthemen unserer kleinen Tochter. Wichtig ist ABER, einer KI NICHT immer zu 100% zu vertrauen ;-).
Welche Aufgabe würdest Du sofort der AI abgeben wollen?

Wenn KI künftig noch leistungsfähiger wird und verlässlich hochwertige Ergebnisse liefert, sehe ich insbesondere im Talent Sourcing großes Potenzial: bei der gezielten Identifikation und Ansprache passender Kandidatinnen und Kandidaten für komplexe oder schwer zu besetzende Positionen, der Analyse relevanter Talentpools sowie der effizienten Aufbereitung und Strukturierung von Kandidateninformationen. Auch administrative Aufgaben – wie die automatische Erstellung von Gesprächsnotizen während Interviews oder Calls. Alles, teilweise heute schon möglich, aber noch nicht leistungsfähig genug. Wie ich finde.
Wird der klassische boolean Sourcer durch AI ersetzt werden?
Eine sehr spannende Frage. Ich denke durchaus, dass die Möglichkeit besteht, dass die Rolle des Sourcers in den nächsten fünf bis zehn Jahren durch KI weitgehend automatisiert oder in Teilen ersetzt werden könnte. Gleichzeitig sehe ich aber ebenso das Potenzial, dass KI den Sourcer nicht ersetzt, sondern vielmehr zu einem deutlich leistungsfähigeren und effizienteren Sparringspartner macht.
Besonders interessant wird dabei die Frage sein, wie sich Wettbewerb künftig gestaltet, wenn grundsätzlich jedes Unternehmen Zugriff auf ähnlich leistungsstarke KI-Technologien hat. Der entscheidende Unterschied könnte dann weniger in den Tools selbst liegen, sondern vielmehr darin, wie intelligent sie eingesetzt werden und wie stark der menschliche Faktor weiterhin in Bereichen wie Kommunikation, Beziehungsmanagement und Bewertungskompetenz bleibt.
Blick durch die Glaskugel: Wie sieht der Sourcer Job in 5 Jahren mit AI aus?
Option 1: Die Rolle des Sourcers wird durch KI weitgehend oder vollständig automatisiert und ersetzt.
Option 2: Sourcer arbeiten künftig eng mit KI zusammen und steigern dadurch ihre Effizienz erheblich. So können mehr Positionen in kürzerer Zeit erfolgreich besetzt werden, während gleichzeitig mehr Raum entsteht, sich – wie bereits beschrieben – verstärkt auf die qualitative Kommunikation sowie das Relationship Management mit allen relevanten Stakeholdern zu konzentrieren.
